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eine Art Anbaugebiet

Lü_Der Wanderer

zu Goldbaum_1 von Kai

Wo das Tal sich weitet, wird der Fluss langsam. Dort steht der Goldbaum_1. Ein Hobo gelangte dorthin. Er war auf viele Stämme gestoßen, dieser hier schien ihm besonders. „Ich bin der GoldbaumUnterstrich1.“, sagte der Baum „Das ist ein seltsamer Name. Ich heiße Lü.“ „Den Namen habe ich mit dem Fluss hier her getragen.“gab der Baum zurück, „Vor Zeiten sind wir aufgebrochen. Ich war ein Same.“ „Ein Same, ein Nomade, wie ich.“ sagte der Hobo. „Im Grunde. Menschen kommen sonst nur in ihrem goldenen Herbst zu mir. Sie kämpfen um meine Blätter und stopfen sich in ihre Taschen, was sie tragen können. Früchte trage ich lang nicht mehr. Sie haben sich die Zähne daran ausgebissen. Die Schösslinge rissen sie aus und pflanzten sie in ihre Vorgärten. Aber sie gedeihen nicht am schnellen Fluss. Ich wäre gern ein einfacher Baum. Mit einem Stamm, dem Wind und Regen auf der einen Seite etwas zutragen und auf der anderen Seite etwas abtragen.“ „Sagt dein Name, dass du der erste bist?“, fragte der Hobo „Nein, der letzte. Der Unterstrich unterstreicht das Nichts. Das ist alles.“ „Das ist alles?“ „Das ist alles.“ Der Hobo schlug sein Zelt auf. Proviant hatte er noch. Wasser würde er aus dem Fluss trinken. Es sah sauber aus. Kleine silberne Fische schauten ihm ins Auge. Reden ist Gold, Schweigen ist Silber, dachte er. Er dachte dem durchzogenen Landstrich nach, der dem Unterstrich des Nichts ähnelte. Er dachte dem Stamm in dessen Mitte er eine Nacht sein Zelt aufschlagen durfte. Die Begrüßung war schlicht. Tee und Trockenfisch. Worte gab es zum Abschied. Ein Kind schenkte ihm eine Tierhaut. Zeichen, denen er nicht kundig war, waren eingeritzt. Er trug die Tierhaut als Glücksbringer. Da er nun die Haut in seinen Händen las, wusste er, was zu tun war. Der Hobo nahm sein Werkzeug und ritzte Risse in die Rinde. „Au!“ sagte der Goldbaum_1, „Mach weiter. Au! Mach weiter. Au!….“ Worte formten sich, ein Satz, ein Spruch. Die Botschaft der Tierhaut. Jedes Wort währte eine Woche. Der Hobo las den Dreisatz: „Kämme der Nacht das Schlafwachs aus dem Haar. Küsse den Wind wach. Pflücke die Früchte der Wurzeln.“ Mit der Zeit blätterte alles Gold vom Goldbaum_1. Rinde kam ans Licht, dort wo die Worte währten. Der Wind trug dem Baum_1 Moose und Flechten an, er gab Grassamen in die Risse der Rinde und der Regen kam, dass eine Seite grünte. Auf der anderen Seite trugen beide das Blattgold fort. Im nächsten goldenen Herbst staunten die Menschen, das alles Gold vergangen war. Sie gingen zurück ins Tal des schnellen Flusses und sannen anderen Goldquellen nach. Der Hobo folgte dem Fluss. Stetig wurde er langsamer. Sprach er, floss ein goldener Schimmer zwischen die Worte. Auf seiner Haut reflektierte ihn etwas wie silberne Fischschuppen.

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