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eine Art Anbaugebiet

Tod des Freundes

Dann steht man wortlos umeinander
und reglos in der nackten Zeit.
Und kennt sich nicht
und kennt sich nicht am andern,
fühlt nichts
als dumpf den eignen Leib,
der sich ans Leben klammert,
an den Tag,
ans Licht und an das milde Weh’n,
das durch das Gras streicht
so, als würde niemals Leben
von uns geh’n.

Doch ging es von uns
dieses Menschenleben,
das wir gesehen,
umfangen und geliebt,
und ging in Räume
die den unsern neben –
in eine Ferne,
die ganz nahe liegt.

So fühlen wir den Freund
in jeder Stunde
als habe er für kurz nur fort gemusst.
Zugleich – die Liebe
spült sich brennend in die Wunde,
die aufgerissen im Verlust.

Wir greifen’s nicht
und greifen so ins Leere.

Die Räume, die sein Leben
nun durchstreift,
sie sind zu fein,
zu nah
für unsere Erdenschwere,
die erst in Trauer
hin zum Freunde reift

als heilsames Gewicht,
das unsern Kreis
dereinst
aufs Neue schließt,
so dass durch seine
Lücken unsere
wie des Freundes Liebe
vielfach zueinander fließt.

10. Juli 2014