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eine Art Anbaugebiet

Am Scheitelpunkt

Fortsätze

Es war kein Wunder, dass Herr Koffer im Traum fürchtete, nicht gehen zu können. Ein Wunder machte Lahme gehend und so war es ein Keinwunder, dass ihn langsam wach werden ließ. In seinen Beinen dehnte sich eine nie gefühlte Wärme. Sie lag schwer auf den Waden, fuhr die Schienbeine hinauf zu den Oberschenkeln, bis hinein in seinen Schoß und weiter hinauf und hinein in seinen Bauch und die Brust. Sie vibrierte, jene Wärme. Ich könnte schauen, wer sie ist, was sie ist, wie sie ist, dachte Herr Koffer im Halbschlaf und wollte doch nicht sein Nest verlassen;- das Bräutle. Noch ein wenig würde er ihr nachspüren, bevor er sich erhob. Er dachte an die rothaarige Fremde. Chcht chcht chcht. Ein hartes Geräusch weckte ihn vollends. Chcht chcht chcht. Pausen unterschiedlicher Länge legten sich zwischen die Töne und von Zeit zu Zeit hörte Herr Koffer etwas Weiches einfallen. Chcht             chcht                                       chcht. Er hob die Decke, dass sie sich wie ein Zelt über ihm wölbte und schaute an sich hinunter. Fell. Er blieb in getigertem Fell hängen. Das Fell hatte einen schönen großen Kopf, lag auf seinen Beinen und schnurrte. Nie hatte Herr Koffer einen schöneren Kopf gesehen, als jenen, der jetzt in seinem Schoß lag. Eher breit als hoch mit einem ruhigem Gesicht. Ein Mongole, dachte Herr Koffer. Ein mongolischer Kater. Cht      chcht             cht. Der mongolische Kater sprang aus dem Bett, setzte sich in einiger Entfernung davor und wartete. Herr Koffer erhob sich aus seinem Nest. Chcht    chcht        chcht. Er wechselte sein Schlafkleid mit dem der nächsten Zeit und ging dem Geräusch nach bis vor die Tür. Chcht       chcht chcht. Es wehte von einem Schneeweg her. Herr Koffer ging ihm entgegen. Links und rechts türmten sich die Schneewehen. Der mongolische Kater folgte in einigem Abstand. Chtcht     chcht       chcht. Orhan schaufelte Schnee. Schnee, Schnee und nochmals Schnee. Aus ihm rührte jenes Geräusch. Orhan hatte einen neuen Weg durch die Wehen gebahnt und war wohl angekommen. Am Ende des Weges stand ein Kreuz. Es war noch nicht vollends sichtbar, aber Herr Koffer sah, dass es ein aus Felsstein gehauenes Kreuz war.

– Was haben wir…, was habe ich hier verloren, fragte Herr Koffer.

Chcht.

Chcht.

Chcht.

– Sie werden es finden., sagte Orhan.

– Was ist das?, fragte Herr Koffer

– Ein Gipfelkreuz.

– Ein Gipfelkreuz?

– Ein Gipfelkreuz.

– Aber wir sind auf einer Hochebene. Die Gipfel, die Berge erheben sich über uns., sagte Herr Koffer.

– Nein, wir erheben uns über die Gipfel und Berge. Zumindest versuchen wir es immer und immer wieder und wundern uns., sagte Orhan

– Wir wundern uns?

– Ja, wir wundern uns, dass es nie gelingt, uns über die Gipfel zu erheben. Das ist ein Gipfelkreuz Herr Koffer. Der erste Hüter der Hochebene hat hier seinen Tod gefunden.

– Haben wir das…, habe ich das hier verloren?

Chcht.

Chcht.

Chcht.

– Sie haben ausreichend Zeit mitgebracht., sagte Orhan und zeigte im Kreis über die Schneeebene.

Seit seiner Ankunft war dies der erste Punkt, von dem aus Herr Koffer mit dem Auge über die Hochebene schweifen konnte. Sie war schön. Durch die Wehen war nur zu ahnen, was im Augenblick tief verborgen lag. Der Schnee wallte auf und ab gleich einem weißen Meer. Hinter den weißen Wellen erhoben sich die fernen Berge. Die gezackten Gipfel waren in Nebel gehüllt, der sie weichzeichnete. Im Bruch zwischen Berg und Ebene lag unsichtbar das Tal. Eine Ahnung, Erinnerung oder Hoffnung. Die rothaarige Fremde. Die rothaarige Fremde. Gab es sie? Lebte sie, lebte sie dort in diesem Tal? Oder war all das nichts weiter als ein Traum. Nichts weiter als ein Traum, nichts weiter als ein Traum, nichts weiter als ein Traum, dachte Herr Koffer.

– Gibt es wirklich keinen Weg im Augenblick?, fragte Herr Koffer.

– Nicht so lange Winter herrscht und der Augenblick ist ein Punkt

Chtcht

chcht

chcht.

Jetzt war das Gipfelkreuz

vollkommen

von Schnee befreit

– Sie sollten sich auch an die Arbeit machen., sagte Orhan, an Ihre Arbeit. Sie sehen ausgeschlafen aus. Ja, sie sind ein ausgeschlafener Herr Koffer. Worauf warten Sie? An die Arbeit.

– Orhan, Sie haben Recht. Es wird Zeit. Zeit, an meine Arbeit zu gehen. Nichts ist weiter als ein Traum.

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